Baubericht Toyota Landcruiser BJ75

  • Hallo,


    Ich bin vor ein paar Monaten durch einen guten Freund auf dieses schöne Hobby aufmerksam geworden, und seit Anfang Dezember baue ich an einem Toyota Landcruiser BJ75. Urspünglich wollte der ein LJ73 werden, doch manchmal ergeben sich die Dinge eben anders, als man sie plant; mein Bruder hatte ein Loops Fahrerhaus eines BJ75, das nicht auf sein Chassis passen wollte, und das landete dann bei mir. Mir war bald klar, dass das für den Anfang das einfacher zu realisierende Projekt ist, und daher landete der LJ73 (eigentlich ein LJ70 von Loops, der ein neues Dach und eine Karosserieverlängerung benötigen würde) im Regal und ist nun Bauprojekt Nr. 2.


    Der BJ75 ist irgendwie ein Mauerblümchen. Man findet kaum Videos oder andere Bauberichte davon, und das war mit ein Ansporn, das Ding zu bauen. Manchmal sollte man einfach nach dem Exklusiven streben pillepalle


    Was mir vorschwebt(e), ist ein BJ75, das legendäre Arbeitstier von Toyota, ohne viel Brimborium, möglichst original, ohne Schnorchel und anderen Schnack.

    Einzig eine Bull-Bar sollte er kriegen, so viel wusste ich schon, denn die Original-Stoßstange ist schon beim großen Vorbild oftmals schwer onduliert.



    So ungefähr :D


    Gleich vorweg, das mit dem "einfacher zu realisierenden Projekt" war vielleicht ein Blödsinn, aber nicht zuletzt dank dieses Forums hier bin ich meinem Ziel doch ein gutes Stück näher gekommen. Pritsche bauen? Nicht so einfach, viele Twists and Turns. Aber hier gibts Leute, die bauen sich eine komplette Forester-Karosserie in Spantenbauweise. Achsen zu breit? Die Boomracing Dinger bestellen, lange warten, nach drei Wochen draufkommen, dass die Dinger nicht verfügbar sind. Also selber machen. MST Achsen kürzen? Wurde hier schon gemacht. Messing löten? Auch das. Und so weiter...




    Jedenfalls, das ist der aktuelle Bauzustand. Wenns jetzt noch interessant ist, ich werde in den nächsten Tagen meine Kreativität drauf verwenden, hier schöne Beiträge zu verfassen und das Projekt retrospektiv Revue passieren lassen :D


    Liebe Grüße, Gerhard

  • Deinen Bericht habe ich mir gleich mal abboniert.

  • Das werde ich doch auch mal weiter im Auge behalten, sieht bis hier hin auf jeden Fall nach guter, wohl überlegter Arbeit aus.


    Dann laß mal kommen die schönen Beiträge! :thumbup:

  • Das klingt ja spannend! Die Mauerblümchen sind manchmal ganz besonders reizvoll. Bin gespannt, wie du es angehst.

    Herzliche Grüße, Christian


    MST CMX :respekt:

  • Gute Projekte beginnen mit einem Plan, oder so erzählt man es sich zumindest am Lagerfeuer und auf diversen Projektabschluss-Besprechungen. Unfähig, mich dieser Logik zu entziehen, habe ich zunächst einmal Typenskizzen im Internet gesucht, um die Proportionen richtig hinzubekommen. Ja ja, wart mal... :aufreg:


    Aber davor war da noch was anderes. Der Radstand beim alten BJ75 beträgt 2980mm, und das hab ich auf Anhieb richtig hingekriegt. Mir kamen dann später noch Zweifel, ob das Loops Gehäuse tatsächlich ein BJ75 ist, doch von diesen Zweifeln bin ich weit entfernt und guter Dinge.



    298 oder so, check pleasantry


    Als nächstes habe ich mir die Ladefläche vorgenommen. Das ist mein erstes Mal mit Polystyrol, und nachdem ich mir einige Bilder angesehen und die Proportionen auf Typenzeichnungen abgenommen habe, hier der erste Versuch der Seitenwand.



    Voller Vorfreude die beiden Seitenteile an eine PS-Platte gepappt, die Federdome grob rausgeschnitten, auf das Chassis gelegt, und: :whistling:



    Das Problem: Ignorieren der normativen Kraft des Faktischen. Beim Vorbild ist der Radkasten sehr klein, vermutlich braucht das Original auch nicht mehr, weil Toyotas eben nur sehr wenig einfedern, aber sehr weit ausfedern. In meinem Bestreben, das so originalgetreu wie möglich hinzukriegen, hab ich mich in die erste Sackgasse manövriert. Der Radausschnitt funktioniert so nicht. Also das ganze nochmals gemacht...



    ...und mit den mittlerweile eingetroffenen neuen Rädern mal probiert. Nun passen wenigstens die Radhäuser, doch die Hoffnung, dass mit den neuen Felgen auch die Spurbreite sich auf wundersame Weise auf das vorbildgerechte Maß reduziert, wurde grausam zunichte gemacht. Mir war klar, dass die MST Standard-Räder zu weit draußen stehen, und ich habe mir wohl zu viel von den neuen Mickey Thompson auf 15,5“ Steelies erwartet. Kennt ihr das Problem, dass die meisten Hersteller keine Sekunde damit verschwenden, die Einpreßtiefe der Felgen anzugeben, und die paar die es machen, verwechseln negative und positive ET?



    So, das wars für den Moment. Begonnen habe ich am 2. Dezember, und bis zum letzten Bild sind 11 Tage vergangen. Übrigens, habt ihr auch einen Testparcours im Keller? Mich hauts da regelmäßig drüber pillepalle



    Gruß, Gerhard

  • In meinem Bestreben, das so originalgetreu wie möglich hinzukriegen, hab ich mich in die erste Sackgasse manövriert. Der Radausschnitt funktioniert so nicht. Also das ganze nochmals gemacht...

    Die Räder der Crawler sind oft deutlich zu groß. Rollt gut über Hindernisse, ist aber nicht maßstabsgerecht und sieht auch teilweise unmöglich aus...

  • Das Problem mit der Einpresstiefe kenne ich auch. Beim Disco stehen die auch 2mm zu weit raus. Ich versuche mir paar Radmitnehmer zu modifizieren, da liegen bei mir noch genügend rum.

  • Ich glaube, Seitenwand Variante 1 hätte nicht mal mit den Mickey Thompson funktioniert, obwohl die Dinger wirklich extrem klein sind. Umgerechnet entsprechen die 33ern, und das ist nur mehr 1,5 Zoll höher als die 235/85R16, die ich am LJ73 hatte. Ich glaube, es lag mehr am Einfedern und daran, dass die Achsen viel zu breit sind. Die Original-Toyos haben die Räder so weit unterm Bauch, die sehen aus wie Lokomotiven. Es sieht mittlerweile zufriedenstellend gut aus, aber um diesen typischen Landcruiser-Look zu kriegen, müsste ich für die Felgen einen Umbausatz besorgen, so dass die direkt den Pin umfassen. Gibts angeblich, hätte mir aber das Umbauen der Achsen auch nicht erspart.

  • hi Gerhard,

    ich glaube Du hast einen kleinen aber fiesen Denkfehler bei dem Projekt.

    Die Karo ist nicht 1:10, deshalb wirst Du immer wieder anpassungen vornehmen müßen was Radstand, diverse Originalmaße oder sonstiges angeht.

    Die Spurbreite kannst Du mit abgedrehten Mitnehmern im bescheidenen Rahmen verschmälern.

    Übrigens, der Kris hat in seinem snakepit rc shop die schmalen Boomracing BRXL70 Achsen und versendet ultraschnell.

    https://www.snakepitrc.de

  • Ja genau, das mit den Maßstäben nehmen die Hersteller der Karos und Chassis nicht so genau. Da muss man immer erstmal messen und den tatsächlichen Maßstab errechnen. Wirklich 1:10 sind die allerwenigsten Karren.

    Aber was du hier zeigst sieht sehr interessant und vielversprechend aus...

  • Ja, jede Menge Denkfehler. Ich wollte später nochmals darauf zurückkommen, aber da wir schon beim Thema sind: mir war zwar anfangs klar, dass die meisten Hersteller 1:10 mehr als Empfehlung sehen, doch bei diesem Modell gibt es einige Aspekte, die ein bisschen darüber hinaus gehen.

    Loops bezeichnet diese Fahrerkabine als BJ75. Daran ist zunächst nichts auszusetzen, zumindest solange, bis man seinen besseren Nachfolger, den HZJ79, direkt daneben parkt und einmal kritisch hinsieht. Man würde erkennen: Die Fahrerkabine hat keine umlegbare Frontscheibe und kein abnehmbares Dach mehr. Außerdem ist sie geringfügig länger. Wie auch der Radstand, der von 2.980mm beim BJ auf 3.130mm beim Nachfolger HZJ angewachsen ist.


    Das bedeutet, mein Auto hat den falschen Radstand. Viele Australier mit einem BJ75, deren Loadbed das Zeitliche gesegnet hat, kaufen einfach ein Gebrauchtes vom HZJ oder dessen Nachfolger, dem beliebten UZJ79 oder, wie wir ihn kennen, LC70, und pappen das Ding hinten drauf. Sieht dann so aus:



    Sehr ihrs? Die hintere Achse sitzt nicht mittig im Radkasten.

    Bei mir ist es genau umgekehrt, ich habe eine HZJ-Kabine auf einem BJ-Chassis und eine dazu angepasste Pritsche. Ich habe mich da einige Zeit drüber geärgert, typischerweise bin ich erst darauf gekommen, als die Pritsche schon ziemlich fertig war. Aber es gibt keinen Nachteil ohne einen kleinen Vorteil. Wenigstens geht der Kleine etwas besser im Gelände.

    Was nun die Achsen angeht: Hätte ich nur früher gefragt...

    Boomracing war auch meine erste Wahl, habe die Dinger vor Weihnachten direkt bei Boom bestellt und dann drei Wochen gewartet. Bis ich nachfragte und man mir sagte, es sei die Vorderachse nicht lieferbar, ob sie mir nur die Hinterachse schicken können. Nein? Weil ich keinen Anhänger baue? Jetzt betrachtet, war die Antwort wohl etwas frech, aber ich habe mich ein wenig drüber geärgert. Und dann einen Thread hier gefunden, wo sich jemand extra schmale Achsen aus MST-Material mit Beeftubes gebaut hat. Echt Gold wert :cheers: hat mir fast 200 Euro gespart.



    Das Ganze sieht jetzt so aus, und nein, das ist nicht die Schokoladenseite und nein, die Achse steht nicht auf der anderen Seite um 2cm raus :lol!!:

    Und: meine Achsen haben nun, nach dem Umbau, 138mm von Pin zu Pin, während die BR-Achsen immer noch 148mm und 145mm hinten haben. Ich bin echt froh, dass ich das selbst gemacht habe.


    Morgen mach ich mit der Pritsche weiter. Schönen Abend!

  • MaddyDaddy

    Ja, gerne. Kommt in einer der nächsten Beiträge, sonst gerate ich durcheinander. Hier ist der Thread, von dem ich die Idee habe:


    [url]https://www.rockcrawler.de/thread/38268-was-schmal-ist-noch-schm%C3%A4ler-wird-cmx-achse-im-wandel-oder-noumenon-s-banja-v5/[/url]



    Er hat es auch sauberer hingekriegt als ich ;)


    Karlsson

    Ich hab in den 80ern als Teenager Revell-LKW Bausätze zusammengeklebt, seitdem aber nichts mehr gemacht. RC war damals überhaupt nicht am Radar, das war viel zu teuer. Mit einer ruhigen Hand und Geduld kommt man schon ein Stück weit, doch die Ideen stammen großteils aus diesem Forum. Hier teilen Leute mit Erfahrung und dem handwerklichen Können ihr Wissen, sodass auch Neulinge wie ich rasch Erfolgserlebnisse haben. Ich habe vor ein paar Tagen deinen Beitrag zum Tigerenten-Disco durchgeblättert - unglaublich, was da drin steckt. Macht echt Spaß, das zu lesen. Bis ich so weit bin, muss ich wohl noch ein paar Autos mehr bauen :D


    LG

    Gerhard

  • So, weiter gehts. 13. Dezember, Ladefläche steht am Programm. Zunächst einmal beim großen Vorbild nachsehen:



    Die Ecken verkleben und anbringen und in Form schleifen:



    Rückwand bauen: Das war ein wenig tricky. Ich wollte die vorbildgetreue Form der Ladeklappe aus geformtem Blech mit Versteifungsrippen nachbilden und dazu muss das PS gekantet werden. Das ging mit etwas anwärmen und dann vorsichtig über die scharfe Kante im Schraubstock biegen. Brauchte auch mehrere Versuche. Zuerst mal, wie es im Original aussieht:


    Und so in etwa hab ich es auch hinbekommen.



    Der erhabene Schriftzug kommt später, ich bin mir noch nicht klar darüber, wie ich das mache. Ich glaube, das beste Ergebnis kann ich erzielen, wenn ich die Buchstaben nach dem Lackieren aufklebe. Das gibt die schönste Abgrenzung von rot zu weiß. Man sieht auch, dass ich die Krater am Boden verkleinert habe, Aufhängung hinten muss also auch noch umgebaut werden. Zunächst aber die Radkästen:



    Wieder einmal Polystyrol biegen, weil ich das so gut kann :tischkante:

    Muss alles noch verspachtelt werden. Die Dinger sind wesentlich breiter als im Original, aber da ich noch nicht genau wusste, wie die neuen Achsen und die Aufhängung sich bewegen, habe ich mich dazu entschieden, die Dinger mit ausreichend Luft für die Räder zu bauen.