Derks Tamiya Madcap (58082)

  • Mal langsam ein paar Dinge wegarbeiten, die in der Warteschlange zur Restaurierung stehen... Heute: Der Madcap. Hat seinen Weg über Ebay zu mir gefunden, und ausnahmsweise hat Tamiya genau dieses Modell bisher nicht re-released. Bedeutet: Es gibt ausnahmsweise gar nicht mal so viele Ersatzteile dafür...


    Angekommen ist er in diesem Zustand:









    Sieht auf den ersten Blick noch nicht so schlimm aus. Das Chassis hat im Wesentlichen im hinteren Teil gelitten, alle Querlenker sind heile, das Getriebe funktioniert - die Basis ist gut genug, um sie nicht in die Tonne zu kloppen. Die Karosserie ist auch zumindest heile, wurde vom Vorbesitzer aber mit Edding lackiert. Gut - könnte mein Glück sein, lässt sich wahrscheinlich besser entfernen als Lexanlack hmm.


    Die Reifen sind brüchig, und eine Felge ist angeknackst. Ich vermute mal, da passen Garnituren vom DT-02, wobei Original schon schöner wäre - gerade die vorderen Dish-Felgen scheinen selten geworden zu sein.


    Mal sehen, was sich so ergibt, ich habe da keinen Zeitdruck. Wird daher wie gewohnt keine allzu häufigen Updates geben, aber irgendwann ist er wieder fertig - muss ja, bei dem Spruch auf dem Heckspoiler... pump


    Gruß
    Derk

  • Erster Schritt wie üblich: Die "Explosionszeichnung" anfertigen (Schrauben allerdings ausgenommen):



    Und hier sehen wir das wahrscheinlich komplizierteste Kugeldifferential, das jemals in ein (mehr oder weniger) Einsteigermodell hinein konstruiert wurde:



    Einundzwanzig Kugeln in zwei Größen in drei Kugelkäfigen, acht Andruckscheiben, Hex-auf-Vielzahnumsetzer für die Wellenausgänge... Keine Frage, da hatte jemand richtig Spaß an seinem Design... search:thumbup:


    Könnte man heutzutage in einem Einstiegsmodell vermutlich nicht mehr bringen, das bekommt doch kaum noch einer zusammen pillepalle

  • Den Teil hatte der Madcap vom Astute übernommen, und der war ja auch eher - trotz interessanter Konstruktionsideen - für seine Fragilität berühmt. Meins hier funktioniert auch nicht richtig, weil der Vorbesitzer eine Hälfte beim Zusammenbau verkantet hat, und die äußere Unterlegscheibe (rechts unten) daher 'nen Knick hat,



    Selbst das Kugeldiff in meinem TB Evo 3 ist einfacher aufgebaut, und zusätzlich von außen einstellbar. Hier erfolgt die Einstellung über die Dicke der Unterlegscheibe, die das Ganze zum Gehäuse hin nach außen abstützt (BH7). BH6 ist eine konische Stahlscheibe, und die Gehäuseteile (BP5) haben eine konkave Innenseite, das Gehäuse selbst wird auf Block verschraubt. Die Federkraft, die die Kugeln an die Scheiben presst, wird daher durch die BH7-Scheiben aufgebracht. Von der Idee her okay, nur...


    - BH6 verkehrt herum eingebaut, und das Ganze funktioniert nicht.

    - Eine Scheibe vergessen oder die Reihenfolge verändert, und es funktioniert nicht.

    - Nachjustieren geht nur durch Komplett-Demontage und eine Reserve von 1/10-Scheiben. Sicher besonders lustig "im Feld".


    Ein wenig Durchrutschen war vermutlich sogar gewollt, denn - einerseits drehte eh nur 'nen standard-540 dran herum, andererseits hat der Rest des Getriebes keinen Slipper. Aber das Verhältnis von Schrauben & Testen und "richtigem" Fahren sah sicherlich nicht gut aus... ;)

  • Ohne Ersatzteile geht's ja nicht... Die Motor-/Getriebeplatte ist zwar noch brauchbar, aber es gibt sie auch in Alu, also - mehr Bling:



    Das Getriebe wird mit zwei Sechskant-Hülsen am Chassis befestigt, von denen eine bei der Demontage disintegrierte... Auch hier findet sich noch Ersatz, wenn auch nicht unter der Suche nach Madcap-Teilen: In Egress und Vajra ist die Alu-Version verbaut. Man muss dafür auch keinen Egress schlachten (den ich sogar hätte), es gibt sie noch einzeln:



    Nebenbei noch eine komplette Kugellager-Garnitur bestellt, sowie Shims für das Differential. Leider habe ich keine 0,05er gefunden, aber ich hoffe einfach mal, dass mit fortgeschrittenem Alter auch 0,1 geht...

  • Wunderschön! Das war die goldene Zeit von Tamiya! Jedes Modell hatte eine (un)sinnige technische Besonderheit. Das machte den Zusammenbau aber doch eigentlich erst richtig interessant. Ich habe hier noch einen Terra Scorcher (58075) in Betrieb. Die Druckkugellager wurden bei mir für die Kardanwelle genutzt und wurden auch beim Re-release gestrichen. Genieße es und viel Erfolg!

  • Genieße es und viel Erfolg!

    Danke ^^


    Habe das Differential jetzt auch wieder zusammen:



    Abgesehen von dem geknickten Shim waren keine Beschädigungen dran, die neuen 0,1er (5x10x0,1 mm, Tamiya Nr. 19804494) funktionieren als Ersatz.

    Der Zusammenbau ist allerdings wirklich nichts, was man bspw. draußen bei 'nem Rennen mal eben machen könnte. Am Besten, man stellt sich beide Gehäuseteile (BP6) wie in der Anleitung gezeigt auf den Tisch und puzzelt deren Inhalt zusammen, und setzt dann beide Hälften mit dem Hauptkäfig/Zahnrad zusammen. Die äußeren Kugelkäfige (BG1) haben wie in der Anleitung gezeigt konische Aufnahmen für die Kugeln, d.h. man bekommt sie ohne Gewalt nur von einer Seite 'rein, und die ist nicht markiert. DIe Kugelaufnahmen im Mittelteil haben keine bevorzugte Seite, bzw. dort fallen die Kugeln durch (Montage nur mit BH3 dahinter möglich).


    Der gesamte Aufbau in den Hälften schwimmt ein wenig, solange die Halbachsen von außen nicht eingesteckt sind. Kann an meinen Shims liegen, aber - schraubt man alles zusammen ohne eingeschobene Steckachsen, die als Zentrierhilfen für das Innenleben dienen, kann es passieren dass man die Sechskant/Vielzahn-Mitnehmer festklemmt und keine Achse mehr 'rein bekommt. Daher die drei Schrauben nur sanft anziehen, dann die Achsen 'rein, dann ganz festschrauben (oder die Halbachsen zuerst 'rein, wie es eigentlich auch in der Anleitung steht... ;)).

  • Kleinigkeiten an der Getriebebox: Die drei M3x36-Schrauben, mit denen die Motorplatte angeschraubt wird, werden außen mit Muttern "E5" gekontert. Hm, komisch - erinnere mich nicht, sowas demontiert zu haben. Stellt sich heraus: E5 ist in dem Kunststoff-Spritzling, der auch den Fronterammer beinhaltet. Der Vorbesitzer hat einfach Muttern mit geriffelter Unterseite 'reingewürgt... blackeye


    Gut, die E-Teile habe ich nicht mehr, und deren Verfügbarkeit ist - schlecht. Aber es sind ja nur Plastik-Sechskant-Hülsen, das geht besser:



    Vertiefungen mit Aluhülsen auffüllen:



    Selbstsichernde Muttern drauf, und die unschönen Stellen mit Unterlegscheiben kaschieren: