Anfängerfrage zum Thema Motoren

  • Hallo Zusammen,


    ich hab schon viele Threads durchgelesen, vielleicht ist mir der entscheidende nicht aufgefallen...


    Beim Thema Motoren lese ich immer wieder die Bezeichnungen 35T, 55T etc.


    Was hat es damit auf sich? Soweit ich verstanden habe, laufen die Motoren mit steigender T-Zahl langsamer, mit mehr Drehmoment? Ist das korrekt?

    Ist "T" eine Einheit?


    Viele Grüße

  • Hi,

    Das T steht für Turns und bezeichnet die Anzahl der Wicklungen am Rotor.

    Prinzipiell stimmt es das mehr Turns langsamer mit mehr Drehmoment ist.

    Ein guter 35 T hat aber mehr Drehmoment als ein schlechter 55T;)

    LG Mac


    Wirtschaft und Konsum sind die Kriegsmittel unserer Zeit.

  • Bitte, gerne:popcorn:

    Ich fahre in all meinen Autos höherwertige 35T Motoren. Das Drehmoment reicht für kraftvolles Schleichen in jeder Lage, bei gleichzeitig sehr guter Beschleunigung:headbang:

    Das ist aber hier im Forum immer auch ne Glaubensfrage;)

    LG Mac


    Wirtschaft und Konsum sind die Kriegsmittel unserer Zeit.

  • ...ebenfalls auch auf die Betriebsspannung. 540er sind meist für nur 2s (7,4V) ausgelegt, die 550er Bürstenmotoren sind meist bis 3s (11.1V) nutzbar.

    Also das ist rein Theoretisch.

    Bei unseren Modellen ist das völlig zweitrangig da wir praktisch nie länger Vollgas Fahren.

    Ich fahre alle meine MModelle an 3S

    Sogar im TRX hab ich nen 540´er an 3S , ohne Probleme:thumbup:

    LG Mac


    Wirtschaft und Konsum sind die Kriegsmittel unserer Zeit.

  • Hallo Kristian


    Oh ja, die Elektromotoren. Im Grunde hast Du Recht, als Faustformel gilt, je höher die Windungen/Turns, desto niedriger ist die Drehzahl und desto höher ist das Drehmoment. Das gilt für Bürsten/Brushed Motoren ebenso wie für Bürstenlose/Brushless Motoren.

    Klar zu sagen ist auch, das es Qualitätsunterschiede gibt und wie BigMac schon schrieb, ein guter 35T Motor mehr Drehmoment haben kann als ein schlechter 55T Motor.


    Wie BigMac erwähnte, ein Handwound (Hand gewickelt) Motor hat meistens mehr Drehmoment, weil zwar bei gleicher Windungszahl oft Drähte mit größerem Querschnitt verwendet werden als bei Maschinen gewickelten Motoren und somit ein höherer Strom fließen kann - mehr Strom gleich mehr Leistung.

    Wenn ein Motor per Maschine gewickelt wird, handelt es sich üblicherweise um eine "Wilde Wicklung", die Drähte liegen nicht sauber nebeneinander, sondern wild durcheinander und somit gibt es mehr Luft und weniger Platz für Kupfer - im Verhältnis. Wird ein Motor mit der Hand gewickelt, wird entweder eine schraubenförmige Wicklung oder eine orthozyklische Wicklung angestrebt, bei diesen Wicklungen werden die Drähte sauber nebeneinander gewickelt, es entstehen weniger Freiräume und deswegen kann mit einem dickeren Draht gewickelt werden. Das Stichwort dazu ist der Füllfaktor, also mit wie viel Kupfer die Nute befüllt werden kann.


    Der Unterschied zwischen einem 540er und einem 550er Motortypen ist die unterschiedliche Länge. 540er Motoren sind kürzer und werden meistens mit 7,2V Nennspannung angegeben. 550er Motoren sind etwas länger und werden meistens mit einer Wicklung für eine Nennspannung von 12V bestückt.

    Da im RC Auto Modellbau 540er Motoren meistens zum Einsatz kommen, gibt es aus dieser Baureihe auch die größe Auswahl.


    Das sind aber nur grobe Angaben, sowie eine grobe Klassifizierung. Alle Details aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.


    Einige Begriffserklärungen oder Informationen kannst Du Dir aus dem Lexikon holen.


    Herzliche Grüße,

    Detlef

  • Hi,

    was mich bei dem Thema mal interessieren würde:


    Gibt es Vergleichstabellen, wie sich z.B. brushed 540er und 550er bei gleichen Turns bezüglich Drehzahl verhalten?

    … irgendwo hab ich mal gelesen, glaub ich (?), ein 21t 550er (brushed) entspricht einem 35t 540er (brushed)?



    Zusätzlich:

    Gibt es irgendwo eine Tabelle für die brushless Motoren, wo man Turns- Werte mit KV-Werten vergleichen kann?

    Die kv Werte hab ich ziemlich gut "im Gefühl" (schon ewig bei den Helis), aber bei den Turns und brushless hab ich gar kein "Gefühl".


    Gruß,


    Walter

  • ob 540 oder 550... da hats schon harte Unterschiede.

    habe gestern einen Traxxas 550er 21 getestet. Das Ding is nen Geheimtipp!!!

    Leider ist er Laufrichtungsgebunden. In der richtigen Richtung die für Axial eigentlich falschrum ist hat der 21T Motor freundliche 140Nmm. anders rum rennt er mit ca 90Nmm.

    Nen 35T RC4WD Boost Motor (540er) dümpelt bei knapp 90Nmm rum. aber dafür in beide Richtungen gleich. Das heisst das die im Traxxas Motor, nen Timing verbaut haben. Interessant dabei ist, das sich nur die Kraft bei der Drehrichtung ändert, aber nicht die Drehzahl.

    Hier mal Zahlen zu dem Motor


    Einmal rückwärts und einmal vorwärts gemessen. Wie man sieht kaum Drehzahländerung. nur die Kraft is doll anders.

    Jdenfalls is der mit ca 140Nmm in die richtige richtung für nen 21T echt heftig. Drehzahl von diesem Motor sehe ich aber eher im 27T Bereich.

    Nein ich werde ihn nicht zerlegen und zerwickeln um zu gucken obs wirkllich 21T sind :D

    Grüsse
    Joannis :bier:


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  • Hallo Joannis,


    Der grobe Unterschied zwischen 540er und 550er Motoren ist eben die Länge, damit auch die Länge des Läufers und der Magneten im Stator und somit die Wirklänge der Spulen im Magnetfeld. Das Drehmoment eines Motors ist nicht nur von der Windungszahl abhängig, sondern auch von der Wirklänge der Spulen im Magnetfeld, je länger der Motor, desto mehr Drehmoment.


    Im Grunde genommen haben alle Bürsten Motoren eine bevorzugte Laufrichtung, zumindest nach einer gewissen Zeit im Betrieb, denn in der bevorzugten Laufrichtung schleifen sich die Kohlen ein und bieten die beste Stromübertragung auf den Kommutator. Wenn das Timing schon in eine bestimmte Laufrichtung ausgerichtet wurde, steht die bevorzugte Laufrichtung allerdings fest und es kommt zu jenen Erscheinungen die Du gemessen hast. Eine Einstellung des Timings bedeutet auch mehr Drehmoment, da die Lage der Magnetfelder zueinander optimiert wird als es bei 0° Timing der Fall ist.


    Bei Brushless Motoren bestimmt das Timing die bevorzugte Laufrichtung. Meistens lässt sich das Timing am ESC einer Brushless Combo einstellen, bei sensored BL Motoren geht es auch über das Verdrehen des Lagerschildes an welchem die Hall-Sensoren angebracht sind.


    So viel ich weiß, gibt es kaum "550er Tuning Motoren", also Motoren die sich zerlegen lassen, bei denen man das Timing einstellen kann usw. Dafür gibt es bei vielen 550er Motoren einen zusätzlichen umlaufenden Metallring am Gehäuse auf der Höhe der Magnete. Magnete haben bekannter Weise zwei Pole, Nord- und Südpol. Positioniere ich zwei gleiche Magnete wie im Stator, das sich innen Nord- und Südpol gegenüber stehen, so entsteht ein schönes Magnetfeld zwischen den Magneten. Doch nach Außen wirken die anderen "übrig gebliebenen" Pole und Magnetfeldlinien der Magnete. Der Stator sollte aus einem guten ferromagnetischen Stoff, wie z.B. Eisen sein, denn so fungiert der Eisenmantel wie ein Rückschlussring, der die nach außen gerichteten Magnetfeldlinien umrichtet und dem inneren Magnetfeld zu Gute kommen lässt. Bei den "Silberbüchsen" ist der Stator aber oft zu dünn, denn eine Faustformel für einen ausreichenden Rückschlussring besagt das dieser mindestens 1/3 dick wie die Magnete selber sein soll. Mit dem zusätzlichen Metallring bei den 550er Motoren wird der Rückschlussring also dicker gemacht, damit die nach außen gerichteten Feldlinien mehr umgeleitet werden, das innere Magnetfeld wird so stärker - und das Drehmoment erhöht sich.


    Bei den üblichen Motoren werden als Dauermagnete im Stator weitestgehend Ferrit-Magnete eingesetzt, könnte man diese gegen Neodym Magnete austauschen, hätte ein Motor auch schon mehr Drehmoment, weil die schwächsten Neodym Magnete (N35 - N52) stärker sind als die besten Ferrit-Magnete.


    So wie der Füllfaktor der Spulen in den Nuten des Stators indirekt eine Auswirkung auf das Drehmoment hat, so hat der Füllfaktor der Magnetmasse im Stator direkt eine Auswirkung auf das Drehmoment. Mit zwei Magneten ist es aber unmöglich einen Füllfaktor von 100% zu erzielen, da ab einem bestimmten Füllfaktor sich die Magneten kurz schließen würden.

    Wenn ich also in einem Stator zwei halbrunde (180°) Magnete einsetzen würde, so würde sich der größte Teil der Feldlinien direkt von einem Ende des einen Magneten zum Anfang des anderen Magneten ausrichten und den Lorenz'schen Kräften des Motors nicht mehr zur Verfügung stehen. Üblich sind Füllfaktoren von 60%-70%, der Rest ist Luft.

    Würden anstatt 2 Magnete, 4 Magnete mit einer unterschiedlichen Position der Magnetpole eingesetzt - das wird dann Halbach Array genannt - könnte der Füllfaktor 100% sein und ein Rückschlussring wäre nicht mehr notwendig.

    Da Luft im Magnetischen Kreis ein Widerstand ist, sind bei der Konstruktion und Fertigung die Spaltmaße zwischen den Magneten im Stator und den Weicheisenpaketen des Läufers ebenso ein Faktor für das Drehmoment. Je präziser der Motor gebaut wird, desto kleiner kann der Luftspalt sein und desto größer wird das Drehmoment.


    Es gibt viele Faktoren die sich speziell auf das Drehmoment eines Elektro-Motors auswirken. Elektro-Motoren wirken auf den ersten Blick sehr einfach im Vergleich mit Verbrenner Motoren, doch sind sie bei näherer Betrachtung auch ein sehr kompliziertes Zusammenspiel der Komponenten mit teils praktischen und teils theoretischen Tuning Möglichkeiten.


    Herzliche Grüße, Detlef

  • Hallo Superkris.


    Je nach Übersetzung sind 540er Bürstenmotoren mit 27t-55t in unseren Fahrzeugen praktikabel.

    Es gibt natürlich vielfältige Ausnahmen dazu.

    Zum Anfang würde ich mal die goldene Mitte mit 35t-45t wählen.


    Zu den Spannungen kann ich Folgendes sagen:.

    Meine Scalerkollegen und ich fahren alle möglichen 540er Bürsten, alle mit 3S.

    Das kann auch so ziemlich jedes Fabrikat ab.

    Ich selber hatte/habe mehrere Motoren im Gebrauch:


    RC4WD Büchse mit 35t, 45t

    Gool RC 45t

    Modelcraft 35t

    Tekin HD 35t

    Tekin Handwound 40t


    Die haben alle wunderbar 3S verkraftet im Scaler.

    Wie Mac schon beschrieben hat, selbst bei artgerechter Haltung werden die Motoren nur handwarm.

    (Vorrausgesetzt der Wagen hat nicht eine viel zu lange Übersetzung!)


    Selbst meinen Drifter habe ich mit 3S bewegt, da kann ich aber nicht aus dem Kopf sagen, was da für eine Bürste drin war. Jedenfalls ne billige.


    Ich empfehle sogar 3S Akkus, da hast du gleichzeitig den netten Nebeneffekt, das du höher Untersetzen kannst, ohne das der Wagen gleich eine Schnecke wird. Volt up, Gear down.


    Gruß Sebi